Arbeitsrecht: Das darf der Chef nicht verbieten!

Gerade an langen Arbeitstagen steigt der Stresspegel und die Kollegen in Großraumbüros strapazieren schnell die eigenen Nerven. Klingelt beim Nachbarn das Handy, plärrt irgendwo ein schräger Song aus dem Radio oder tropft ein Kollege Mayonnaise im Vorbeigehen auf Ihren Schreibtisch, fragen Sie sich, was während der Arbeitszeit eigentlich erlaubt ist. Sie sind selbst unsicher, ob Sie einen Anruf Ihres Partners oder Ihrer Partnerin auch während der Arbeitszeit entgegennehmen dürfen? Sie wollten noch eben eine E-Mail überprüfen und zögern einen Moment? Eigentlich ist dies Ihre private Angelegenheit? Wir klären Sie auf und finden Antworten auf die häufigsten Fragen in Verbindung mit dem Arbeitsrecht.

Verärgerter Chef | © panthermedia.net / eric1513 Verärgerter Chef | © panthermedia.net / eric1513

Was darf der Arbeitgeber verbieten?

Arbeitnehmer dürfen sich am Arbeitsplatz nicht wie im privaten Leben ausbreiten. Der Arbeitgeber selbst darf nicht wahllos neue Verbote und Regeln aufstellen. Immer wieder fragen sich Arbeitnehmer, ob es zulässig ist, wenn der Arbeitgeber wieder mit neuen Verordnungen um die Ecke kommt. Viele nehmen dies missmutig hin. Dabei ist es sinnvoll, einige Situationen zu hinterfragen. Das Arbeitsgericht hat hier ganz klare Regeln aufgestellt, an die sich alle zu halten haben.

Musik am Arbeitsplatz

Kaum ein Chef sieht es gern, wenn im Büro Musik läuft. Doch hat das Bundesarbeitsgericht in einem Urteil festgelegt, dass es nicht zulässig ist, Musik gänzlich zu verbieten. Ein Verbot ist nur dann zulässig, wenn das Radio und die damit verbundene Lautstärke der Musik die Arbeitskollegen stört. Darüber hinaus orientieren sich die Regelungen an den jeweiligen Tätigkeiten und dem Arbeitsfeld. So ist es einem Kraftfahrer zum Beispiel nicht erlaubt, mit Kopfhörern Musik zu hören.

Kein Platz für Fashionistas?

Hier winken schlechte Neuigkeiten: Denn Arbeitgeber haben das Recht, unter bestimmten Umständen direkt im Arbeitsvertrag Aussagen über den Kleidungsstil ihrer Arbeitnehmer zu machen. In diesem Zusammenhang ist von dem Dresscode die Rede. Darüber hinaus gilt in einigen Branchen und Berufsgruppen eine feste Kleiderordnung. So wäre es doch höchst unwahrscheinlich einen Arzt in Hawaii-Hemd und Jeans und einen Schornsteinfeger in kurzer Hose zu begrüßen, oder?

Weitere Vorgaben ergeben sich im Hinblick auf Tätowierungen und Körperschmuck. So hat das Landesarbeitsgericht in Köln einen Beschluss abgesegnet, dass Kolleginnen unter besonders hellen Blusen hautfarbene Wäsche zu tragen haben. Benötigen Sie bestimmte Schutzkleidung in Ihrem Job, ist der Arbeitgeber sogar dazu verpflichtet, diese zu finanzieren.

Achtung: Eine Ausnahme bildet der Fall, wenn Sie die Kleidung auch im privaten Bereich verwenden. So muss jeder Bankangestellter und jeder Rechtsanwaltsgehilfe die Kosten für Anzug und Kostüm selbst tragen, da diese auch außerhalb des Jobs getragen werden.

Wie viel „online“ am Arbeitsplatz ist zulässig?

Hier gilt es, Informationen direkt beim Arbeitgeber einzuholen. Jeder Chef ist dazu berechtigt, die Nutzung der Arbeitsmittel für private Zwecke vollständig zu untersagen. Selbst wenn die Benutzung des Internets für private Zwecke erlaubt ist, so sollte dies auf keinen Fall ausufern.

Sicherlich stellen das Abrufen eine E-Mail und ein kurzer Blick auf das Facebook-Profil kein Problem dar. Verbringt ein Arbeitnehmer jedoch mehrere Stunden im Internet und nutzt den Bürorechner dafür, drohen im schlimmsten Fall Abmahnung und Kündigung.

Eine Frage des Smartphones

Auch wenn es sich viele nicht mehr vorstellen können, nur wenige Minuten auf ihr Smartphone zu verzichten, so kann der Arbeitgeber in dem Arbeitsvertrag festhalten, dass während der Arbeitszeit vollständig auf das Handy zu verzichten ist! Sie müssen in diesem Zusammenhang nicht davon ausgehen, vollständig von der Außenwelt abgeschnitten zu sein. Für Notfälle hinterlassen Arbeitnehmer immer eine Telefonnummer im Büro, sodass Sie benachrichtigt werden. Ihr Smartphone ist leer und sie laden es, ohne nachzufragen, im Büro? Hier bewegen wir uns im Bereich einer riskanten Rechtslage, denn es handelt sich im übertragenen Sinn und Stromdiebstahl, der unwiderruflich zu einer Abmahnung führt.

Na, Mahlzeit! Während der Arbeit essen?

Das Essen und Trinken außerhalb der zulässigen Pausen und Kantinen ist oftmals untersagt. Gerade wenn ein Mitarbeiter in direktem Kontakt zu Kunden steht, ist diese Regelung zulässig. Darüber hinaus werden in einigen Branchen spezifische Aussagen zum Arbeitsschutz gemacht, die das Essen und Trinken untersagen. Deponieren Sie Ihre Getränke im Schreibtisch und schütten diese unbeabsichtigt über den Arbeitsplatz, kann dies zu Abmahnungen führen. Die Kosten für den Schaden haben die Arbeitnehmer zu tragen.

Zu den absoluten „NO-GOS“ am Arbeitsplatz gehört das Entwenden von Firmeneigentum. Dabei macht es keinen Unterschied, ob Sie unerlaubt einige private Kopien anfertigen oder einen Kuli mit nach Hause nehmen. Wir bewegen uns im Bereich des „arbeitgeberseitigen Vertrauens“. Sprich: Wenn der Arbeitnehmer heute das Lineal mitnimmt, sofort greift er sich Morgen den nächsten Gegenstand.

Links zu weiterführenden Information

https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitsrecht
http://www.arbeitsrecht.org/

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