Beamte machen sich die Taschen voll

Da war ich jetzt aber geschockt, als ich das gelesen hatte. Woher
wußte die Bild-Zeitung, dass ich mir vorhin 2 Packungen Zigaretten
geholt habe und diese in meinen Taschen steckten? Erst bei genauerem
lesen fiel mir auf, dass die bösen Beamten mal wieder doppelt so viel
haben wie ein Angestellter. Dumm nur, dass die Bild-Zeitung
keine Fakten liefert, sondern einfach nur Vorurteile bedient. Aber
eigentlich hab ich ja nichts anderes erwartet. Nachprüfbar ist das also
nur, wenn man sich den Bericht des Deutschen Instituts für
Wirtschaftsforschung (DIW), aus dem diese Weisheit stammt, genauer
ansieht.

Also mal schauen was die Welt
denn dazu so schreibt. „Studie beweist Top-Versorgung deutscher
Beamter“. Immerhin werden dort schon mal ein paar Zahlen genannt. Das
ist doch schon mal was.

“ Die Ansprüche der Bundesbürger auf Zahlungen aus der gesetzlichen
Rentenversicherung und zusätzlichen gesetzlichen, tariflichen und
privaten Altersvorsorge-Verträgen betrugen 2007 rund 4,6 Billionen
Euro. Das entspricht im Durchschnitt 67.000 Euro für jeden Erwachsenen.“

Na, dann will ich das doch hier mal ein wenig auseinander nehmen

Durchschnittlich bekommt also jeder Bundesbürger aus dem Rentensystem
67.000 Euro. Also in der Zeit vom Rentenbeginn bis zu seinem Tod. Wenn
man mal davon ausgeht, das man mit 65 Jahren in Rente geht und mit 80
Jahren stirbt, dann verteilen sich diese 67.000 Euro also auf 15 Jahre.
Das wären ja dann pro Jahr 4500 Euro (aufgerundet), woraus sich eine
monatliche Rente von 375 Euro ergibt. Nach dieser Berechnung wäre die
Durchschnittsrente also 375 Euro. Wer glaubt denn das? Lt. Focus lag die Durchschnittsrente im Jahr 2005 bei 1176 Euro. Die Bundeszentrale für politische Bildung gibt an, dass die durchschnittliche Rente am 01. Juli 2007 genau 970 Euro betrug. Also können diese 67.000 Euro die angegeben werden ja vorne und hinten nicht stimmen.

„Vor allem das Vermögen von Beamten und Pensioären schwillt auf dem
Papier an, wenn die Alterssicherungssysteme berücksichtigt werden:
Arbeiter und Angestellte mittlerer Qualifikation können aus ihren
Alterssicherungsverträgen im Durchschnitt etwa 40.000 Euro erwarten;
höher qualifizierte Beschäftigte um die 80.000 Euro. Beamte im
gehobenen und höheren Dienst haben dagegen im Durchschnitt Ansprüche
von etwa 130.000 Euro, pensionierte Beamte sogar von 300.000 Euro.“

Aha, Arbeiter und Angestellte mittlerer Qualifikation bekommen also
noch weniger als 375 Euro Rente und höher qualifizierte bekommen also
rund 460 Euro Rente (80.000 Euro geteilt durch 15 Jahre = 5500 Euro;
5500 Euro geteilt durch 12 Monate = 460 Euro). Auch diese Zahlen sind
weit unter den offziell genannten Durchschnittsrenten. Also sehe ich
diese Zahlen ebenfalls als Schwachsinn an.

Wie aktive BeamtePensionsansprüche von 130.000 Euro haben sollen,
während ein bereits pensionierter Beamter 300.000 Euro
Pensionsansprüche haben soll erschließt sich mir nicht.

Dann schau ich doch mal beim Spiegel vorbei, ob da mehr steht.

„Klare Gewinner dieser Rechnung aber sind Beamte. Sie erzielen nach
Berechnungen des DIW mit weitem Abstand die höchsten Anwartschaften.
„Im Pensionsalter beträgt der entsprechende Gegenwartswert rund 400.000
Euro. Andere abhängig Beschäftigte des gleichen Alters können mit nur
rund 160.000 Euro lediglich rund 40 Prozent des Wertes der
Anwartschaften von Beamten erreichen“, heißt es in der Studie. Die
Relation verbessert sich ein bisschen, wenn man auf Seiten der Arbeiter
und Angestellten Arbeitslose und Personen in Ausbildung herausrechnet.
Dann liegt der Wert mit 200.000 Euro noch 50 Prozent unter dem für die
Pensionäre.“

Das sind doch mal Zahlen, mit denen man gut rechnen kann. Sinnvoll
erscheint es, mit den 200.000 Euro zu rechnen, da hier Personen
verglichen werden, die auch tatsächlich eine Arbeit haben. Denn die
Beamten haben ja auch alle eine Arbeit.

Wieder werde ich mit 15 Jahren Rentenbezugsdauer rechnen: 200.000
Euro geteilt durch 15 Jahre sind rund 13.500 Euro. Diese 13.500 Euro
geteilt durch 12 Monate sind 1.125 Euro Rente monatlich. Dieser Betrag
erscheint realistisch zu sein, liegt er doch zwischen den vom Focus und
der Bundeszentrale für politische Bildung genannten Beträgen. Diese
Rente würde im übrigen auch mein Vater bekommen, wäre er nicht mit 60
Jahren vorzeitig in Rente (mit Abschlag) gegangen. Man könnte meinen
Vater also als Durchschnittsrentner bezeichnen.

Dann rechne ich jetzt mal den Betrag bei den Beamten nach. Der
Beamte bekommt also 400.000 Euro Pension in seinem Leben. Das sind im
Jahr 27.000 Euro (400.000 Euro geteilt durch 15 Jahre). Das sind dann
im Monat 2.250 Euro (27.000 Euro geteilt durch 12 Monate).

So, könnte man jetzt sagen, ganz klar nachgewiesen, der Beamte
bekommt fast doppelt so viel wie der normale Rentner ausgezahlt. Aber
stopp, da war doch noch was. Der normale Rentner bekommt diesen
Rentenbetrag Brutto wie netto ausgezahlt. Er zahlt auf diesen Betrag
also keine Steuern und nur sehr geringe Krankenkassenbeiträge. Ist das
bei dem Beamten auch so? Nein, das ist bei dem Beamten anders. Er zahlt
bei einer Bruttopension von 2.250 Euro Steuern von rund 400 Euro.
Zusätzlich muss auch der Beamte noch seine Krankenversicherung
bezahlen. Es gibt heute schon reichlich Beamte, deren
Krankenversicherungsbeiträge 500 Euro monatlich und mehr betragen.
Ziehen wir also von den 2.250 Euro noch die Steuern und die
Krankenversicherung ab, dann hat der Durchschnittsbeamte 1.350 Euro
monatlich zur Verfügung.

Es stehen sich also ein Rentenbetrag in Höhe von 1.125 Euro und eine
Beamtenpension in Höhe von 1350 Euro gegenüber. Das sind wahrlich
Riesenunterschiede. Wenn man dann noch schaut, dass man diese
Beamtenpension nur mit mindestens A11, also Regierungsamtmann bekommt
und man, um Regierungsamtmann zu werden, mindestens Abitur und ein
Fachhochschulstudium benötigt, dann relativiert sich das ganze
vielleicht doch. Hat der Durchschnittsrentner ein Fachhochschulstudium?
Mein Vater, den ich anhand seines Rentenauszahlungsbetrages weiter oben
als Durchschnittsrentner bezeichnet habe, hat weder Abitur noch ein
Fachhochschulstudium. Er war knapp 40 Jahre im Einzelhandel tätig.
Demnach hat der Durchschnittsbeamte einen höheren Bildungsabschluss als
der Durchschnittsrentner. Ist es bei einem höheren Bildungsabschluss
wirklich verwunderlich, dass man damit eine höhere Altersversorgung
erzielt? Wohl kaum, das dürfte wohl jeder einsehen.

Übrigens, ich persönlich bin nicht A11, werde auch niemals A11
werden. Meine künftige Pension wird unter der Durchschnittspension
liegen.

Und noch etwas. Mich wundert, woher das DIW seine Zahlen,
insbesondere bei den Beamten, her haben will. Wenn er die Daten der
Rentner bei der Deutschen Rentenversicherung ermittelt hat, dann müsste
doch auch eine entsprechende Anfrage bei der größten
Beamtenversorgungsstelle in Deutschland eingegangen sein. Merkwürdig,
ich kann mich an eine solche Anfrage nicht erinnern.

Über Simon (134 Artikel)
Mein Name ist Simon Schröder. Ich bin gelernter Versicherungsfachmann und blogge aus Leidenschaft. Möchten auch Sie Ihre Meinung auf Beamtenblog.net an andere weitergeben? Schreiben Sie einen Kommentar. Wir freuen uns auf Sie.

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