Eigenheim als Kapitalanlage | Warum es sich nicht immer lohnt!

Eigenheim als Kapitalanlage

Eigenheim als KapitalanlageWenn du ein Haus baust, vollende es„. So formulierte es seinerzeit Hesiodos, ein alter griechischer Dichter. Im Besitz des eigenen Hauses zu sein, ist für viele Familien ein besonders erstrebenswerter Gedanke. Gründe dafür gibt es genug. Zum einen sind es die monatlichen Mietzahlungen, die nicht profitabel erscheinen. Zum anderen die Abhängigkeit vom Vermieter. Gewünschte Veränderungen im Haus oder in der Wohnung müssen angemeldet und erfragt werden.

Mit dem eigenen Häuschen entscheidet man selbst und gestaltet ganz nach seinen Vorstellungen. Dem folgt, die wohl häufigste Begründung: Man bildet zusätzlich Kapital. So weit, so gut. Es sind nicht zu verachtende Gedanken mit der Aussicht, später wirklich ein unbeschwertes Leben ohne hohe Belastungen zu führen. Zusätzlich hinterlässt man seinen Kindern auch einen Grundstein, doch das Eigenheim taugt nicht immer auch als Kapitalanlage.

Immobilie als Geldanlage

Eine Immobilie als Geldanlage lohnt sich immer!“ Ein Spruch, der gern verwendet wird. Aber ist tatsächlich was dran? Fest steht, dass der Anteil von Eigentümern in der deutschen Bevölkerung deutlich geringer ist, als der in anderen westeuropäischen Ländern. Auf Deutschland fallen gerade mal 45 % Besitzer eines Eigenheims. Etwa 7 % davon besitzen eine Wohnung. Zur Miete leben demzufolge 55 % der Menschen.

Spitzenreiter im Vergleich zu Deutschland sind die Länder Spanien und Irland. Hier liegt der Eigentümeranteil bei 80 % in der Bevölkerung. Gefolgt von Frankreich und Großbritannien mit über 50 %. Diese Zahlen beruhen laut Wirtschaftsforschern auf dem Vertrauen der Bevölkerung gegenüber ihrem Staat. Entscheidend sind die sozialen Regelungen im Bereich der Altersvorsorge. So könnte der geringe Anteil von Eigentümern in Deutschland darauf begründet sein, dass die Menschen ein gewisses Vertrauen in die zu erwartende Altersversorgung haben. Hinzu kommt, dass Deutschland über einen gut funktionierenden Mietwohnungsmarkt verfügt.

Die anzumietenden Wohnungen oder Häuser bieten häufig einen hohen Qualitätsstandard. Niemand wird grundsätzlich stigmatisiert. Ein Mietverhältnis ist überschaubar und birgt keine weiteren Kosten. Das einzige Manko, so schön die Mietwohnung oder das Haus auch ist, man wird diese nie besitzen und auch keine kapitale Grundlage schaffen. Was also, wenn ich mich für die Möglichkeit des Eigenheims entscheide?

Die Kosten, welche man ja ohnehin für die Miete aufbringen muss, steckt man einfach in ein Darlehen. Zinsen – ja, die muss man zahlen. Aber diese sind im Moment so niedrig, dass es sich ja schon fast jeder leisten kann. Ab hier heißt es aufgepasst!

Das Eigenheim darf nicht zur Schuldenfalle werden!

Ein Haus kann durchaus krisensicher sein, aber es kann auch Kosten verursachen. Darüber sollte man sich im Klaren sein, wenn man den Bau oder Kauf eines Eigenheims vorsieht. Nur mit den anfallenden Darlehensraten ist es leider nicht getan. Ein Haus kaufen bedeutet auch einen festen Wohnort wählen, den man in den folgenden Jahrzehnten nicht verlassen möchte. Man legt sich fest.

  • Die Lage: Idylle ist angesagt, Infrastruktur ist nebensächlich.
  • Kanalbau oder Straßensanierungen sind nicht vorgesehen.
  • Die Nachbarn sind nett.
  • Ein Arbeitsplatzwechsel wird in der Zukunft nicht anstehen und die Familienplanung ist soweit abgeschlossen.
  • Ein Nachkömmling ist nicht geplant
  • Eine Trennung oder Scheidung steht nicht zur Debatte.
  • Die kleine Familie ist perfekt.

Beste Voraussetzungen? Klingt auf jeden Fall sehr gut und es sollte auch so bleiben, nur garantieren kann das niemand. Gegensteuern kann man mit einer guten und soliden Finanzierung, sei es nun für den Hausbau oder dem Kauf eines Altbaus. Es sollte immer genügend Spielraum vorhanden sein, um Unvorhergesehenes aufzufangen. Das Zauberwort bei den Banken heißt dann „Eigenkapital“.

Eine starre Regel sagt: 40 % des Immobilienkaufpreises sollte idealerweise Eigenkapital sein. Je höher dieses ausfällt, desto geringer die Darlehenshöhe. Die Regel ist jedoch, dass der Eigenkapitalanteil nicht 10 % übersteigen wird. Bei einer zu niedrigen Tilgungsrate sind immer lange Laufzeiten zu erwarten. Hat man diese Hürde genommen und der Kauf des Hauses ist erfolgt, ist man aber leider noch nicht am Ziel.

Hier eine Checkliste der Kosten, die zu erwarten sind:

  • Hauskauf/Neubau
  • Maklerkosten
  • Grundbucheintragung
  • Vermessungsgebühren
  • Grunderwerbssteuer
  • Bereitstellungsgebühren durch die Bank
  • Umzugskosten
  • evtl. Doppelbelastung während der Bauzeit
  • Bauherrenhaftpflicht
  • zusätzliche Sanierungskosten
  • Bankdarlehen
  • zusätzliche Finanzierungsaufwendungen
  • Bilden von Rücklagen

Unausweichlich: Müll, Strom, Wasser, Abwasser, Öl oder Gas, Schornsteinfeger, Grundbesitzabgaben, Gebäudeversicherung und weitere, sowie Instandhaltungskosten.

Die alltäglichen Kosten dürfen natürlich nicht vergessen werden. Übrigens wurde statistisch festgestellt, dass Eigentümer sehr disziplinierte Sparer sind und auch gern auf Urlaubsreisen verzichten. Lieber sparen sie nebenher noch etwas an. Soweit es natürlich noch möglich ist.

Grundsätzlich gilt: Der Traum vom Eigenheim muss immer realistisch betrachtet werden. Es kann eine gute Vorsorge und Kapitalanlage sein, aber auch eine Herausforderung, denn die Gefahr in die Schuldenfalle zu tappen ist gegeben. Treffender als Monika Etspüler kann man es nicht zusammenfassen: „Ein Gebäude ist immer ein Kompromiss aus Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Funktionalität„.

Bildquellen
Artikelbild: ©panthermedia.net Roman Milert

Kommentar hinterlassen