Faul oder fleißig? – 3 Mythen über Beamte

Pflichtbewusst, verantwortungsvoll und zuverlässig sind die drei Haupteigenschaften, mit denen Beamte, laut einer Studie am häufigsten bezeichnet werden. Sie begegnen uns täglich als Polizisten, Lehrer und Verwaltungsangestellte. Doch was macht einen Beamten aus und wieso ist nicht jeder Lehrer gleich Beamter? Haben sie Vorteile gegenüber den normalen Arbeitnehmern, die vielleicht ungerechtfertigt oder gar unfair sind?

Sind Beamte wirklich faul? | © panthermedia.net / Aleksei Ivanov Sind Beamte wirklich faul? | © panthermedia.net / Aleksei Ivanov

Für die einen sind sie pflichtbewusst und fleißig, für die anderen einfach nur Faulenzer, die sich – einmal zum Beamten geworden – auf ihren Vorteilen ausruhen. Doch haben Beamte wirklich so viele Vorteile gegenüber anderen und wenn ja, wieso wird dann nicht jeder Beamter? Beamte sind beim Staat angestellt (also bei Bund, Bundesland oder Gemeinde). Zu Beamten gehören beispielsweise Polizisten, Richter, Staatsanwälte und Lehrer. Wie wird man aber zum Beamten, kann man den Beamtenstatus verlieren und welche Vorteile genießen sie? Wir klären auf, in unseren Top 3 Mythen über Beamte.

Mythos 1: Beamte sind überbezahlt

Falsch! Darüber, was ein faires Gehalt ist und ab wann jemand über- oder unterbezahlt ist, lässt sich natürlich streiten. Allerdings wurde im Jahre 2006 die sogenannte „bundeseinheitliche Beamtenbesoldung“ aufgehoben. Das bedeutet, dass jedes Bundesland nun selbst entscheiden darf, wie viel sie ihren Beamten zahlen wollen und diese Zahlen klettern tendenziell jedes Jahr weiter nach unten. So verdient ein Polizist im Außendienst in der einen Stadt rund 20 % weniger als in einer anderen. Obwohl sie die selbe Arbeit verrichten.

Mythos 2: Beamte sind unkündbar

Sind Beamte unkündbar? | © panthermedia.net / Wolfgang Filser

Sind Beamte unkündbar? | © panthermedia.net / Wolfgang Filser

Beamte sind zwar unkündbar, können ihren Beamtenstatus aber durchaus verlieren und in diesem Fall sind sie nur noch normale Arbeitnehmer, denen auch gekündigt werden kann. Auch ein pensionierter Beamter kann in bestimmten Fällen seinen Status noch im Nachhinein verlieren. Dafür gelten allerdings gesonderte Regelungen, nämlich ob der Grund der Anklage vor oder nach Versetzung in den Ruhestand erfolgte. Wenn ein Beamter zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr verurteilt wird, so verliert er in den meisten Fällen seinen Status. Bei bestimmten Delikten, wie der Bestechung, reicht schon eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten aus, um seinen Beamtentitel los zu sein.

Mythos 3: Beamte sind in ihrem Job gelangweilt

Falsch! Das Bild eines gelangweilten Anzugträgers, der in der Stadtverwaltung mit müden Augen die nächste Wartenummer aufruft, ist in vielen Köpfen eingebrannt. Man sollte sich allerdings klar machen, das auch Polizisten und Richter zu den Beamten gehören können. Sicherlich gibt es einige Beamte, die sich in ihrer beruflichen Situation nicht wohl fühlen, das kommt aber eben so häufig bei nicht verbeamteten Arbeitnehmern vor.

Wie wird man Beamter? (Beispiel: Lehrer)

Längst nicht jeder Lehrer kann heutzutage auch noch Beamter werden. Beamte kosten den Staat Geld, da sie Pension zahlen müssen und im Falle einer Arbeitsunfähigkeit die gesamten Kosten zu tragen haben. Daher guckt der Staat ganz genau hin, wen sie zum Beamten machen und wen nicht. Die erste Voraussetzung ist die deutsche Staatsbürgerschaft oder eine offizielle Staatsbürgerschaft eines anderen EU-Landes.

Auch der Charakter des angehenden Beamten spielt eine wichtige Rolle. So muss er ein hohes Maß an Engagement zeigen und sich jederzeit bereit erklären, für die freiheitliche demokratische Grundordnung einzutreten. Anschließend steht noch ein Gang zum Amtsarzt an. Dort wird jede Kleinigkeit untersucht, die zu einem vorzeitigen Dienstaustritt führen könnte. So wird man wortwörtlich auf Herz und Nieren geprüft, es werden Hör- und Sehtests gemacht und der Bodymaßindex wird überprüft, da auch eine chronische Fettleibigkeit zu späteren Folgeerkrankungen führen kann, die einen frühzeitigen Dienstaustritt zur Folge haben können.

Nur Vorteile?

Infografik: Das Leben eines Kreditnehmers

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Der Hauptvorteil von Beamten ist wohl die Unkündbarkeit (natürlich nur bei guter Führung), mit der man kein Geld in eine Arbeitslosenversicherung investieren muss. Auch im Rentenalter ist man abgesichert, da der Beamte nun eine Pension erhält, die deutlich höher ist, als ein durchschnittlicher Rentensatz.

Der Beamte ist privatversichert und bekommt, je mehr Dienstjahre er sammelt, regelmäßige Gehaltserhöhungen. Auch bei einer Änderung des Familienstandes, also bei Heirat oder Kindern, bekommt er mehr Geld als zuvor.

Es gibt nicht nur spezielle Privatversicherungen für Beamte und ihre Familien, auch bei einer Kreditaufnahme werden sie vorteilhaft behandelt. Beantragt ein Beamter einen Kredit, so ist das Risiko für die Bank, aufgrund der Arbeitsplatzsicherung deutlich geringer und somit kommt ein solcher Kredit zu besonders vorteilhaften Konditionen. Er erlaubt den Beamten auch bei geringer Bonität an günstige Konditionen zu kommen. Wie ihr der Grafik entnehmen könnt, so ist die Kreditwürdigkeit, bzw. die Konditionen des Kredits stark abhängig von Alter und Lebenssituation. Bei einem Beamtenkredit ist das anders. Das Hauptmerkmal liegt hier auf dem sicheren Arbeitsplatz.

Natürlich hat das Beamtendasein aber auch Nachteile: So sind Beamten in ihrer freien Meinungsäußerung stark eingeschränkt. Das streiken ist ihnen untersagt und gibt es im öffentlichen Dienst einen Missstand, so dürfen sie diesen nicht an die Öffentlichkeit tragen.

Fazit

Auch Richter sind Beamte | © panthermedia.net / Arne Trautmann

Auch Richter sind Beamte | © panthermedia.net / Arne Trautmann

Beamter sein, das ist nicht schwer, Beamter werden aber sehr? Könnte man so sagen. Die Anzahl der Vorteile, die Beamte haben überwiegt. Jedoch ist die Frage nach der Gewichtung eine andere. Für viele wäre es undenkbar, sich so in seiner Meinungsfreiheit einschränken zu lassen. Für die anderen zählt aber nur die finanzielle und berufliche Absicherung auf deren Grundlage man sich beruhigt eine Familie aufbauen kann. Beamte sind Bestandteil von Mythen, Witzen und Beschwerden. Doch wie ihr seht, stimmt nicht alles, was man sich über Beamte erzählt. Sie sind eben auch nur Menschen.

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Quellen:

Beendigung des Beamtenverhältnisses infolge von Strafgerichtsurteil

Das 1×1 der Lehrer Verbeamtung

Weitere Informationen:

Welche Vorteile haben Beamte gegenüber „normalen“ Arbeitnehmern?

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Über Simon (128 Artikel)
Mein Name ist Simon Schröder. Ich bin gelernter Versicherungsfachmann und blogge aus Leidenschaft. Möchten auch Sie Ihre Meinung auf Beamtenblog.net an andere weitergeben? Schreiben Sie einen Kommentar. Wir freuen uns auf Sie.

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