Cannabis in Deutschland – die schmale Grenze zwischen legal und verboten

Hanf (oft Cannabis genannt) ist eine Pflanzengattung innerhalb der Hanfgewächse, die zu den ältesten Nutz- und Zierpflanzen der Erde zählt. Ihre einzelnen Bestandteile stellen nicht nur wichtige Rohstoffe für Textilindustrie und Bauwirtschaft zur Verfügung, sondern sind auch Basis für die Herstellung von Haschisch und Marihuana. Deshalb wird Cannabis auch als Rausch- und Arzneimittel verwendet.

Cannabis-Pflanze | © panthermedia.net /Sergejs Rahunoks Cannabis-Pflanze | © panthermedia.net /Sergejs Rahunoks

Die Rechtslage in Deutschland ist ziemlich kompliziert. Immer mehr Anhänger der Pflanze fordern eine einheitliche Legalisierung für die Bundesrepublik, stoßen aber auf harte Gegner, die diesen Schritt für fatal halten. In den letzten Jahren konnten die Befürworter trotzdem leichte Maßnahmen für einen etwas entspannteren Umgang mit Cannabis in Kraft setzen.

Als Außenstehender ist es jedoch ganz schön schwierig, den Überblick darüber zu behalten, was geht und was nicht. Wir erklären euch im Folgenden, welche Auswirkungen – positive sowie negative – die Pflanze auf die menschliche Gesundheit hat und in welcher Form der Konsum von Cannabis erlaubt ist.

Fakten über die Hanfpflanze

Cannabis besitzt eine jahrtausendealte Tradition als Nutzpflanze: Schon vor etwa 5.000 Jahren wurde sie für die Textil- und später auch Papierherstellung genutzt. Lange galt sie als stark umkämpftes Handelsgut von überaus hohem Wert. Auch heutzutage kommt sie noch bei der Produktion von Segeltüchern, Garnen und Jeans zum Einsatz, wird aber auch für Waschmittel oder Lacke verwendet.

Als Rauschmittel etablierte sich Cannabis zuerst in Indien; seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts breitete sich die Einnahme auch hier in Deutschland vermehrt aus. Für den Rauschzustand, der beim Konsum von Hanf hervorgerufen wird, ist vor allem das in der Pflanze enthaltene Tetrahyrocannabinol (THC) verantwortlich. Dessen Gehalt ist jedoch stark von der Sorte, dem Anbau, dem Geschlecht und dem Alter der Pflanze abhängig – lange nicht jede Pflanze wirkt psychoaktiv auf den menschlichen Organismus. So gelten alle Cannabisprodukte mit einem THC-Wert von unter 1% als nicht-psychoaktiv.

Der Cannabisrausch tritt meist relativ schnell ein und dauert in der Regel ein bis vier Stunden an. In dieser Zeit werden die bereits vorhandenen Gefühle des Konsumenten durch den Wirkstoff verstärkt – dazu gehört oftmals eine deutliche Anhebung der Stimmungslage und des heiteren Gefühls sowie gleichzeitig ein verminderter Antrieb und eine Tendenz zur Passivität. Seltener kommen auch eine niedergedrückte Stimmung, Unruhe oder Angst vor. Als unerwünschter Nebeneffekt treten häufig Denkstörungen auf, die sich in einer verminderten Konzentrationsfähigkeit und einer höheren Ablenkung durch Nebenreize zeigen.

Risiken von Cannabis

Mann raucht Joint | © panthermedia.net /Michael Schwarz

Mann raucht Joint | © panthermedia.net /Michael Schwarz

Wie bei allen Drogen bringt natürlich auch der Konsum von Cannabis Risiken mit sich, vor allem während der Wirkungsdauer. Dabei kommt es zu einer starken Einschränkung des Reaktionsvermögens, des geordneten Denkens und der Leistungsfähigkeit – die Konsumenten sind beispielsweise nicht mehr fahrtüchtig, überschätzen ihr Können aber oftmals. Auch ausgeprägte Formen von Schizophrenie können vorkommen.

Prinzipiell hängen die Risiken davon ab, ob man gelegentlich oder regelmäßig Hanf konsumiert. Bei einem dauerhaften Gebrauch kann es zu einer Abhängigkeit kommen, die an einer Reihe von Entzugserscheinungen deutlich wird. Besonders ein frühzeitiger Konsumbeginn, mangelnde Unterstützung im Freundeskreis und Familienmilieu sowie eine allgemein labile Psyche können gefährlich werden und eine Abhängigkeit verursachen. Grundsätzlich sind langfristige seelische und körperliche Auswirkungen des Hanfkonsums jedoch sehr selten – nur ein geringer Teil ist davon betroffen.

Chancen von Cannabis

Cannabis hat dagegen auch positive Wirkungen, besonders im pharmakologischen Bereich: Es sorgt beispielsweise dafür, dass chronische oder spastische Schmerzen gelindert werden. Auch Appetitsteigerungen und Verminderungen von Übelkeit werden hervorgerufen. Gerade für Menschen, die an Multipler Sklerose, Rheuma, Krebs oder Aids leiden, kann Cannabis also eine gute Therapiealternative darstellen. Die positiven Ergebnisse in der Krankenbehandlung werden einerseits durch das berauschend wirkende THC und andererseits durch das sogenannte Cannabidiol (CBD) ausgelöst.

CBD ist ebenfalls ein Bestandteil der Hanfpflanze. Es ist jedoch nicht-psychoaktiv, weshalb seine Einnahme nicht mit einem Rauschzustand verbunden ist. Solange der THC-Gehalt in den CBD Produkten unter 0,2% liegt, gelten diese demgemäß als Nahrungsergänzungsmittel und können frei erworben werden. Nicht ohne Grund findet CBD immer mehr Anhänger, die auf seine entkrampfenden, entzündungshemmenden und brechreizlindernden Eigenschaften schwören. Besonders bei Menschen, die mit Schlafstörungen, Depressionen und langanhaltenden Schmerzen kämpfen, kann das pflanzliche Cannabidiol hilfreich sein. In Form von CBD Öl ist es ganz einfach über den Mund aufzunehmen und sorgt schnell für vielversprechende Verbesserungen.

Rechtliche Lage in Deutschland

Rechtliche Lage in Deutschland | © panthermedia.net /Boris Zerwann

Rechtliche Lage in Deutschland | © panthermedia.net /Boris Zerwann

Cannabisprodukte mit einem THC-Gehalt von über 0,2% gehören laut dem deutschen Betäubungsmittelgesetz zu den illegalen Suchtmitteln und sind dementsprechend nicht erlaubt. Grundsätzlich ist der Konsum von Cannabis in Deutschland nicht ausdrücklich verboten – allerdings sind die Herstellung, der Handel, die Veräußerung, der Erwerb und der Besitz von Hanf strafbar. Ein Konsum der Hanfpflanze ist ohne einen der vorangegangen Punkte nicht wirklich möglich – sie musste ja in den meisten Fällen vorher gekauft werden. Im Umkehrschluss ist also auch die Einnahme von Cannabis mit illegalen Schritten verbunden. Dadurch, dass Cannabis sowohl Chancen als auch Risiken mit sich bringt, gibt es sehr unterschiedliche Meinungen, ob das Rauschmittel in naher Zukunft legalisiert werden soll.

Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass eine gewisse Menge erlaubt sei. Das ist momentan definitiv nicht der Fall! Allerdings wurde 1994 im Bundesverfassungsgericht eine Toleranz-Regelung in Kraft gesetzt. Diese besagt, dass in bestimmten Fällen von einer strafrechtlichen Verfolgung abgesehen wird, wenn das Cannabis lediglich in „geringen Mengen“ und für den Eigengebrauch erworben wird. Es ist jedoch nicht genau festgelegt, wie viele Gramm als eine „geringe Menge“ gelten – jedes Bundesland und Gericht handhabt diesen Beschluss anders, weshalb er keinesfalls verlässlich ist! Also ist Hanf in Deutschland prinzipiell weiterhin verboten. Die Höhe der Strafe lässt sich nicht pauschalisieren, da diese von mehreren Faktoren abhängt – es können sowohl recht niedrige Geldstrafen als auch längere Freiheitsstrafen vorkommen.

Seit März 2017 ist es Ärzten jedoch erlaubt, Patienten ohne Therapiealternative Cannabis zu verschreiben. Wer krank ist und eine Ausnahmegenehmigung vom Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte erhalten hat, darf bis zu 100 Gramm Cannabis pro Monat legal konsumieren. Für viele chronisch Erkrankte stellte diese neue Regelung eine längst überfällige Veränderung dar. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die getrockneten Cannabisblüten, welche vom Staat auf hochwertige Qualität kontrolliert werden. In seltenen Fällen dürfen Schwerkranke in einem bestimmten Maße sogar selber Cannabis anbauen – dafür ist allerdings eine Sondergenehmigung vonnöten.

Fazit: Cannabis in Deutschland

Der Konsum der Hanfpflanze ist in Deutschland stark umstritten: Während die einen versuchen, die gesetzliche Lage weiter zu entspannen, halten die anderen strikt dagegen. Für welche Seite man sich entscheidet, ist jedem selbst überlassen. Die Risiken, die mit dem Rauchen von Cannabis einhergehen, sollte man in jedem Falle nicht unterschätzen! Trotzdem ist es sicherlich eine gute Entscheidung gewesen, Cannabis unter bestimmten Vorlagen für Menschen mit chronischen Erkrankungen zu legalisieren und ihnen somit ein angenehmeres Leben zu ermöglichen. Ob Deutschland in den nächsten Jahren noch weitere neue Regeln in Kraft setzt und sich beispielsweise der Entwicklung anderer europäischer Länder anschließt, wird sich zeigen. Das Thema bleibt weiterhin spannend und hochaktuell.

Über Simon (144 Artikel)
Mein Name ist Simon Schröder. Ich bin gelernter Versicherungsfachmann und blogge aus Leidenschaft. Möchten auch Sie Ihre Meinung auf Beamtenblog.net an andere weitergeben? Schreiben Sie einen Kommentar. Wir freuen uns auf Sie.

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