Müssen Beamte Vorsorge betreiben?

Landläufig herrscht die Meinung, dass Beamte sehr gut vom Staat versorgt sind. Manche sprechen sogar von Überversorgung. Wer sich die Realität anschaut, wird feststellen, dass diese Thesen nicht haltbar sind. Gute Versorgung in einigen Bereichen, aber eine Lücke bleibt!

Beamtenvorsorge | © PantherMedia / Antonio Guillen Fernández Beamtenvorsorge | © PantherMedia / Antonio Guillen Fernández

Im Vergleich zu Arbeitnehmern in der Privatwirtschaft gibt es bei Beamten große Unterschiede. In einigen Bereichen könnte man meinen, dass im Staatsdienst nahezu paradiesische Zustände herrschen. Die Altersvorsorge eines Staatsbediensteten ist etwas, das sich viele Beschäftigte ebenso wünschen würden. Auf der anderen Seite müssen Beamte die Krankenversicherung ohne staatliche Unterstützung bezahlen.

Generell gilt, dass auch bei der Versorgung von Beamten eine beträchtliche Lücke klafft und eine zusätzliche Vorsorge überlegenswert ist. Die Altersversorgung besteht auch im Staatsdienst aus dem Drei-Säulen-Modell, dass jeder Beschäftige in der privaten Wirtschaft kennt:

  • gesetzliche Rentenversicherung
  • betriebliche Zusatzversicherung
  • private Vorsorge

Der Staat bietet keine betriebliche Zusatzversicherung. Er sorgt aber dafür, dass die Pension mit aktuell maximal 71,75 Prozent der letzten Bezüge verhältnismäßig üppig ausfällt. Somit übernimmt der Staat die beiden ersten Säulen durch das Ruhegeld. Der Bund selbst erklärt, dass den Höchstsatz nur wenige Beamte erreichen, weil dazu 40 Dienstjahre in Vollzeit nötig sind. Der Satz betrage aktuell durchschnittlich 67,2 Prozent (2020), sagt das Bundesinnenministerium. Dies ist sicher besser als in der Privatwirtschaft, aber es bleibt trotzdem eine Versorgungslücke von fast einem Drittel. Sie lässt sich über die private Altersvorsorge schließen.

➔ Krankheitskosten früh im Blick behalten

Bei Krankheit zahlt der Staat seinen Beamten eine Beihilfe zu den Krankheitskosten. Ein Teil der Kosten bleibt allerdings ungedeckt. Aktive Beamte erhalten 50 Prozent vom Dienstherrn erstattet, wer im Ruhestand ist, bekommt 70 Prozent. Soldaten werden unentgeltlich durch den Truppenarzt versorgt, sollten aber daran denken, dass sie für die Zeit als Pensionäre vorsorgen. Einige Berufsgruppen profitieren im aktiven Dienst von der Heilfürsorge, die Krankheitskosten komplett übernimmt. Während die Beihilfe auch Familienangehörige erhalten, gibt es die Heilfürsorge ausschließlich für aktive Beamte.

Es besteht also eine mehr oder weniger große Versorgungslücke, die es zu schließen gilt. Am gebräuchlichsten ist die Nutzung von Angeboten wie jene der Debeka Krankenversicherung. Dabei gilt: je zeitiger die Mitgliedschaft beginnt, desto günstiger sind die Monatsbeiträge. Die Pflegeversicherung ist von Staatsdienern ebenfalls zu bezahlen und wird an die Krankenversicherung. Im Gegensatz zu Beschäftigten in der Privatwirtschaft erhalten Beamte keinen Zuschuss und müssen die Beiträge allein aus ihrem Sold bezahlen. Übrigens, die Krankenversicherungspflicht in Deutschland gilt auch für Staatsbedienstete.

➔ Versorgungslücke bleibt

Einen Vollkaskoschutz vom Staat gibt es auch für Beamte nicht. Dies gilt ebenso bei der Berufsunfähigkeit, die im Staatsdienst Dienstunfähigkeit heißt. Sie ist rechtlich anderes geregelt als in der Privatwirtschaft. Wer dienstunfähig ist, bekommt vom Staat ein Ruhegeld, das die Existenz absichert. In den meisten Fällen ist dies weit vom bisherigen Sold entfernt. Hier ist es empfehlenswert, privat vorzusorgen, um im Schadensfall den gewohnten Lebensstandard zu halten.

Recht großzügig zeigt sich der Staat, wenn einer seiner aktiven Beamten verstirbt. Neben dem Sterbegeld überweist der ehemalige Dienstherr Witwen- und Waisengeld.

Die Versorgung von Beamten ist anders aufgebaut als die von Beschäftigten in der privaten Wirtschaft. Ein Vergleich der Bezüge und der Leistungen ist nicht möglich. Eines ist beiden Berufsgruppen auf jeden Fall gemein: Wer im Alter oder bei Krankheit keine Einbußen am Lebensstandard erleiden will, muss privat vorsorgen.

Über Simon (154 Artikel)
Mein Name ist Simon Schröder. Ich bin gelernter Versicherungsfachmann und blogge aus Leidenschaft. Möchten auch Sie Ihre Meinung auf Beamtenblog.net an andere weitergeben? Schreiben Sie einen Kommentar. Wir freuen uns auf Sie.

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