Offshore-Industrie bangt um Arbeitsplätze

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Offshore-Industrie kriselt

Offshore-Industrie kriselt

Problem erkannt, Problem gebannt? Auf diesen einfachen Nenner lässt sich die aktuelle Lage der Offshore-Industrie leider nicht bringen. Verzwickter geht es kaum.

Die Politik scheint das Problem der dringend benötigten Planungssicherheit in Verbindung mit dem nur langsam voranschreitenden Netzausbau auf die lange Bank zu schieben.

Dabei hat nicht nur Umweltminister Peter Altmeier (CDU) die prekäre Situation längst zur Chefsache erklärt. Die Bundesanstalt für Arbeit schlägt Alarm. In der Offshore-Branche sei nach jüngsten Berechnungen bereits jeder vierte Arbeitsplatz in Gefahr, warnen die Experten vor möglichen negativen Auswirkungen in einer Branche, die im Reigen der Energiewende eine führende Rolle spielt.

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Die Probleme sind hausgemacht
Politik muss Rahmenbedingungen anpassen
Trübe Aussichten für Arbeitsplätze? [/sws_green_box]

Für rund 5.000 der insgesamt circa 18.000 Beschäftigten sieht derzeit die berufliche Zukunft düster aus. Und die Lage am Offshore-Arbeitsmarkt könnte sich sogar noch weiter zuspitzen, wenn man die am Tropf der Industrie hängenden Zuliefererbetriebe noch hinzuzählt.

Die Probleme sind hausgemacht

Offshore-Anlagen gelten als fester Bestandteil der geplanten Energiewende. Die Verantwortlichen stecken in einer Zweckmühle. Von der Projektentwicklung bis zur Inbetriebnahme einer Offshore-Anlage vergehen bis zu zehn Jahre, und der Aufbau und Betrieb solcher Projekte kostet Geld. Viel Geld, wie die Investitionszahlen verdeutlichen. Rund 1,3 Milliarden Euro hat alleine die Allianz bereits in Windkraftanlagen investiert, andere Großunternehmen und sogar private Kapitalanleger sind dem Beispiel gefolgt und scheuen nun zunehmend die damit verbundenen Risiken.

Laut einer Roland Berger-Studie liege die benötigte Investitionssumme bis ins Jahr 2020 weltweit bei rund 130 Milliarden Euro. Um den Strom wirtschaftlich rentabel produzieren zu können, müsse man allerdings die Kosten in den Griff bekommen und auf ein vernünftiges Maß reduzieren. Einsparungen, so Experten, seien zum Beispiel im Bereich Wartung und Instandhaltung möglich, deren durchschnittlicher Anteil an den Gesamtkosten bei derzeit bei rund 28 Prozent liege.

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Politik muss Rahmenbedingungen anpassen

Will man dem drohenden Verlust von Arbeitsplätzen entgegenwirken, ist ein möglichst schnelles Eingreifen der Politik zwingend erforderlich.

Dabei kristallisieren sich immer deutlicher zwei Hauptthemen heraus. Zu nennen wäre dabei einerseits die von der Offshore-Branche geforderte Planungssicherheit, die dringend benötigt wird.

Zum anderen aber auch die Fortschreibung der gesetzgebenden Rahmenbedingungen zum Thema Ausbau der regenerativen Energiequellen inklusive der entsprechenden Netze, während die Branche weitere Industrialisierungseffekte realisieren müsste. Langwierige und komplizierte Genehmigungsverfahren seitens der Behörden dürften sich ebenfalls negativ auf die künftige Entwicklung auswirken und sich am Arbeitsmarkt niederschlagen.

Bei den Gewerkschaften bezeichnet man die aktuelle Gemengelage mittlerweile als ein „grundlegendes Planungschaos“. Dementsprechend macht sich auch die führende IG Metall für einen wesentlichen zügigeren Netzausbau stark und fordert die Politik dazu auf, der Branche insgesamt wieder auf die Sprünge zu helfen. Diese Forderung dürfte in der Bundesrepublik die von der Gesamtproblematik am meisten betroffenen Bundesländer Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen unterstützt werden. Besonders Niedersachsen hat mit den beiden Offshore-Betreibern Siag und CSC negative Beispiele erleben dürfen, die den Verlust von Arbeitsplätzen nach sich zogen.

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Schöne Worte alleine werden den Betroffenen nicht helfen. Gespannt dürften sie nach Berlin schauen, wo sich das Bundeskabinett derzeit mit dem Stromnetz-Ausbauplan beschäftigt.

Um den per Windkraft produzierten Strom flächendeckend anbieten zu können, muss das Netz bundesweit um rund 2.800 Kilometer ausgebaut werden.

Beides ist nicht nur technisch, sondern auch unter finanziellen Aspekten eine große Herausforderung. In einem ersten Schritt sollen zunächst zwei Stromautobahnen in Angriff genommen werden. Rund 660 Kilometer lang wird eine Leitung zwischen Emden und Philippsburg (Baden-Württemberg, Landkreis Karlsruhe) verlaufen, eine weitere Trasse von circa 600 Kilometern ist zwischen Wilster (Itzehoe) und Grafenrheinfeld (Bayern, Landkreis Schweinfurt) geplant.

In der Zwischenzeit wurden von 74 weiteren Ausbauvorschlägen der bundesdeutschen Netzbetreiber 50 Hertz, Amprion, TransnetBW und Tennet bereits 51 durch die Bundesnetzagentur angenommen. Die Zahlen stammen aus einem Zukunftsszenario, bei dem es um die Frage ging, welche Maßnahmen zu ergreifen wären, um die BRD bis zum Jahr 2022 vom Atomstrom unabhängig zu machen. Das Kostenvolumen für die ehrgeizigen Projekte haben Experten mit einer jährlichen Investitionssumme von rund zwei Milliarden Euro veranschlagt.

Bei kritischer Betrachtung kommt Offshore-Energie die Bundesbürger im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energiequellen wie Photovoltaik (unter 25 Cent/ kWh) oder der s.g. Onshore-Windkraft (sechs bis acht Cent/kWh) teuer zu stehen. Darauf beziehen sich auch die Kritiker mit ihrer Kernaussage, die Offshore-Stromgewinnung sei „der neue Teuermacher“. Damit, so die Gegner, verliere die Bundesrepublik unter Umständen den internationalen Anschluss im Stromsektor.

Trübe Aussichten für Arbeitsplätze?

Gesunde Skepsis ist angebracht. Wer in der Offshore-Branche tätig ist, gilt als bestens ausgebildete Fachkraft mit der Chance auf einen neuen Job, „beispielsweise im Metallbereich“, zeigt sich die Arbeitsagentur von der optimistischen Seite. Problem erkannt? Problem gebannt? Noch ist jedenfalls keine durchgreifende Änderung in Sicht.

Artikelbild Oben: ©panthermedia.net Michael Dietrich

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