Suhrkamp | Rettungsplan Insolvenzverfahren?!

Insolvenz als Rettungsplan? Insolvenz als Rettungsplan?
Insolvenz als Rettungsplan?

Insolvenz als Rettungsplan?

Ein freudig begrüßtes Insolvenzverfahren dürfe eher die Ausnahme sein. Im der Suhrkamp Verlag GmbH & Co. KG wurde jedoch genau darauf mit allen Mitteln hingearbeitet. Der Grund ist ein permanent eskalierender Streit zwischen den Eigentümern Hans Barlach mit 39 % via Medienholding AG Winterthur und Ulla Unseld-Berkéwicz über die Unseld-Familienstiftung mit 61 %. Bis zu diesem Punkt ging Suhrkamp einen langen Weg.

Inhalte des Artikels
Suhrkamp | Rettungsplan Insolvenzverfahren?!
Entwicklung des Insolvenzverfahrens
Die Klippen auf dem Weg
Quellen

Frau Unseld-Berkéwicz gewährte Herrn Barlach in einem Gesellschaftervertrag 2008 weitreichende Sonderrechte. Dieser war der Preis für den Verlagsumzug nach Berlin. Sie brauchte das Einvernehmen Barlachs, da für eine Sitzverlegung (Umzug) die Gesellschafter mit ¾ Mehrheit zustimmen müssen. Genau diese Rechte verweigerte sie in der Folgezeit wiederholt. Barlach zog vor Gericht und am 10. Dezember 2012 enthob das Landgericht Berlin Frau Unseld-Berkéwicz der Geschäftsführung, das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Mit Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main die Ausschüttung von 2,2 Millionen Euro des Bilanzgewinnes 2010 an die Medienholding AG Winterthur gerichtlich verfügt. In der Folge hat die Familienstiftung Unseld für 2010 und 2011 Anspruch auf noch höhere Gewinnausschüttungen von insgesamt 5-6 Millionen Euro. Je nach Fälligkeit dieser Forderungen besteht beim Verlagshaus Überschuldung.

Entwicklung des Insolvenzverfahrens

Am 27. Mai 2013 beantragte das Unternehmen mit dieser Begründung die Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens begründet. In dieser Form des Insolvenzverfahrens können sich Firmen in Eigenverwaltung restrukturieren und sanieren. Die Erklärung der Geschäftsleitung dazu lautete: „Die Geschäftsführung des Verlags ist der Überzeugung, dass innerhalb dieses Verfahrens ein stabiler finanzieller und rechtlicher Rahmen für die Fortführung des Verlags gefunden werden kann.” Verantwortlich für die Führung des Unternehmens ab diesem Zeitpunkt sind Frank Kebekus (Insolvenzverwalter aus Düsseldorf) als Generalbevollmächtigter und bestehende Geschäftsführung.

Beabsichtigt ist die Umwandlung der GmbH & Co. KG in eine Aktiengesellschaft (AG). Mit diesem Rechtsformwechsel soll „[…] der insolvenzauslösende Gesellschafterstreit das operative Geschäft des Verlags nicht länger beeinträchtigen können.” Mit Umwandlung der GmbH in eine AG würde ein Vorstand Suhrkamp unabhängig von den Gesellschaftern leiten.

Um dieses Verfahren abzuwenden, erklärte Hans Barlach den Rangrücktritt für die 2,2 Millionen Euro Ausschüttung. Mit einem Rangrücktritt wird die betroffene Forderung in der Rückzahlung nach allen anderen bedient. Die Familienstiftung Unseld stellte als Reaktion die eigene Ausschüttungsforderung von 5-6 Millionen Euro fällig. Im Wege der einstweiligen Verfügung durch das Landgericht Frankfurt hat Barlach die Familienstiftung zur Stundung ihrer Forderung gezwungen.

Am Abend des 6. August 2013 wurde das Insolvenzverfahren für die Suhrkamp Verlag GmbH & Co. KG vom Amtsgericht Berlin-Charlottenburg eröffnet. Richterin Mechthild Wenzel nannte als Gründe „Zahlungsunfähigkeit“ und „Überschuldung“. Der Berliner Insolvenzrechtler Rolf Rattunde wurde als Sachverwalter berufenen. Der vorgelegte Insolvenzplan wird, in den kommend zwei Wochen, von der Richterin geprüft.

Wie wird eine Insolvenz ablaufen?

Wie wird eine Insolvenz ablaufen?

Die Klippen auf dem Weg

Die Angestellten leben seit Jahren mit dem kriegsähnlichen Streit der Gesellschafter. Ein ordentlicher Teil der Einnahmen von Suhrkamp ist in den vergangenen Jahren auf den Konten von Anwälten und Beratern gelandet. Aktuell wird den Mitarbeitern obendrein die Unsicherheit eines Insolvenzverfahrens zugemutet. Während die Geschäftsführung versichert, die Arbeitsverträge der Mitarbeiter wären von der Insolvenz nicht betroffen, werden sie von den Medien mit immer neuen Meldungen zum Stand der Dinge bombardiert.

Wie verhalten sich Autoren und ausländische Lizenzgeber? Bleiben sie dem Verlagshaus treu und gehen das Risiko ein? Wenn der von der Firmenleitung gefasste Plan danebengeht, steht für sie unter Umständen viel Geld auf dem Spiel. Warum sollten ausländische Lizenzgeber ohne emotionale Verbundenheit mit dem Traditionshaus ihre Titel nicht lieber bei solventen Verlagen unterbringen?

Die größte Stolperfalle ist wohl derzeit die Zahlungsunfähigkeit. Eine Sanierung in Eigenregie gibt es nur, wenn noch keine vorliegt.

Die Richterin hat als Insolvenzgrund indessen Zahlungsunfähigkeit mit angeben. Laut „Die Welt“ erhält Suhrkamp die zur Überbrückung des branchenüblichen Sommerloches benötigten Kredite nicht. Ja Geschäftsführer Jonathan Landgrebe habe sogar eidesstattlich versichert Suhrkamp fehlten ohne Insolvenzverfahren im August drei Millionen Euro und im September bereits 3,5 Millionen Euro.

Stimmt das, ist der Verlag bereits insolvent und die Durchführung eines Schutzschirmverfahrens nicht mehr möglich. Das „Isolvenzvermeidungs-Verfahren“ (Zitat Suhrkamp Pressestelle) wäre erledigt. Winkt das Amtsgericht das Schutzschirm-Verfahren durch, haben die Gläubiger das Wort. Die Gläubigerversammlung aus Autoren, Eigentümern. Lizenzgebern und sonstigen Anspruchsberechtigten stimmt dann über die Annahme des Sanierungsplanes ab. Der Beschluss wird durch einfache Mehrheit von Köpfen und Forderungen gefasst. Die große Frage dürfte dann lauten, auf wie viel ihrer Forderungen die einzelnen Gläubiger mit der Annahme des Planes verzichten müssen und ob sie dazu bereit sind.

Ulla Unseld-Berkéwicz spielt mit hohem Einsatz. Gewinnt sie, ist sie Hans Barlachs Einflussnahme faktisch los. Der Verlag kann um Altlasten erleichtert den Neustart feiern. Geht der Plan allerdings nach hinten los, hat sie den von ihrem Mann aufgebauten Verlag mit ihrer Sturheit in den Ruin getrieben. Die Zuschauer würden die Köpfe schütteln und hätten es selbstverständlich besser gemacht. Die betroffenen Autoren und Mitarbeiter könnten dann sehr bereuen, zu ihr gestanden zu haben. Das echte Leben ist kein Schachspiel, die Konsequenzen einer Niederlage verändern Leben und zwar nicht nur das der teilnehmenden Spieler.

Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Suhrkamp_Verlag#cite_note-Insolvenzantrag-4
http://www.sueddeutsche.de/kultur/traditionsverlag-suhrkamp-in-not-1.1682468
http://www.spiegel.de/kultur/literatur/suhrkamp-verlag-meldet-insolvenz-an-a-915298.html
http://www.spiegel.de/kultur/literatur/suhrkamp-hans-barlach-will-vorerst-auf-millionen-verzichten-a-906735.html
http://www.welt.de/debatte/kommentare/article118792830/Verkehrte-Welt-Wie-Suhrkamp-die-Fakten-verdreht.html
http://www.tagesschau.de/wirtschaft/suhrkamp-stellt-insolvenzantrag100.html
http://de.wikipedia.or/wiki/Insolvenzrecht_%28Deutschland%29#Insolvenz_in_Eigenverwaltung
http://www.tagesspiegel.de/kultur/suhrkamp-insolvenz-endlich-pleite/8614330.html

Artikelbild Oben: ©panthermedia.net Sven Weber
Artikelbild Mitte: ©panthermedia.net Falko Matte

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